Dienstag, 5. Dezember 2006

wie is das?

Aethiopien scheint so reich. Es ist unglaublich, nach fast zwei Monaten Wueste wird alles gruen. Saftige Felder ueberall, das Getreide steht dicht, Tef, Weizen, Sorghum, Hirse quasi wohin du schaust. Und erst die Rindvieha! Nicht mehr die bespannten Gerippe aus dem Sudan, die der Wind mit jeder Boehe zu erfassen droht, nicht mehr die aufgeblaehten Haeuta, die du lebendig beim Gerber einstellen kannst, die noch vor ein paar Tagen allgegenwaertig waren. Nein, hier steht das Rind im Saft, hier ist es do dick und wohlgenaehrt, dass du bei jedem Hinsehen nur noch ein dickes Steak siehst. Der Tafelspitz mit Apfelkren scheint dir fluoreszierend aus der Kuh entgegenzuleuchten. Der Schwanz vom Ochsen schwimmt in einem Reindl voller Suppe, ich schwoere. Ja sind denn alle deppat! Warum, um Himmels Willen, liefert die Welt Tonnen von Saecken voller Weizenmehl, Dosen voller Pflanzenoel, Kisten voller Pulvermilch in dieses Land? Wieso heisst die Welt immer USA? Schicken die USA die Nahrung im Namen der ganzen Welt oder ist die ganze Welt mittlerweile vereinigt? Warum all das so ist, werden wir naiven unwissenden Touristen nie verstehen. Aber ein bisschen erklaeren koennen wir das schon: Hast du schon mal eine aethiopische Strasse gesehen? Nein? Kein Wunder, es gibt naemlich keine. Die Hauptstrassen im Norden wurden von den Italienern waehrend ihrer kurzen Besatzung in den 1930ern gebaut. Nebenstrassen gibt es keine, denn die haben die Italiener nicht gebaut. Kannst du dir vorstellen, wie ein Katzenkopfpflaster nach 70 Jahren aussieht? Die Strassen mit Katzenkoepfen sind noch die guten. Es gibt also keine Strassen, aber das muss noch kein Hindernis fuer starke LKW sein. Was aber glaubst du kostet ein Liter Benzin? Ein l Benzin kostet so viel wie ein Abendessen in einem Gasthaus. Und wenn das Gasthaus nicht so teuer ist, kriegst auch noch ein Kruegl dazu. All das zum Preis von einem Liter Benzin. Wofuer, glaubst du, gibt der LWK-Fahrer lieber sein Geld aus, fuer Benzin oder fuer Bier? Eben, und ohne Transport gibt es keinen Handel, keine Moeglichkeit fuer die Menschen, an Waren zu kommen, keine Moeglichkeit, ihre eigenen Produkte zu verkaufen. Fuenfundsiebzig Prozent der Aethiopier muessen mehr als 6 Stunden zu einer Strasse gehen.

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